Wirtschaft International

Trotz Zinssenkung weiter nach unten

Die spektakuläre Zinssenkung führender Notenbanken konnte den Kursrutsch an den Börsen nicht verhindern.

Die wichtigsten Notenbanken der Welt haben gemeinsam die Leitzinsen gesenkt. Doch die Angst an den Börsen konnten sie damit nur kurzzeitig verdrängen. So drehte der deutsche Leitindex DAX nach vorübergehenden Kurssprüngen wieder ins Minus. Das Börsenbarometer ging am Mittwoch mit einem Minus von knapp 6% aus dem Handel. Es notierte damit auf dem tiefsten Stand seit 2005.

Auch in den USA setzte der Dow-Jones seine Talfahrt fort. Er gab am Mittwoch um 189,01 Punkte oder 2% auf 9.258,10 Zähler nach.

Japanische Notenbank pumpt Milliarden-Summen ins Finanzsystem
Dagegen tendierte die japanische Nikkei zu Börsenstart am Donnerstag freundlich. Neben der Zinssenkung kündigte die japanische Zentralbank an, weitere 4 Billionen Yen (rund 30 Mrd. Euro) in die Finanzmärkte pumpen zu wollen.

Die Zentralbank versucht auf diese Weise die Kosten für kurzfristige Kredite im Interbankengeschäft zu drücken, um die Institute des Landes dazu zu bewegen, sich gegenseitig mehr Mittel zu leihen. Dem japanischen Aktienmarkt half dies jedoch nicht. Der Nikkei-Index gab seine frühen Gewinne vollständig ab und schloss mit einem Minus von 0,5% auf 9.157,49 Punkten.

Trichet warnt vor "exzessivem Pessimismus"
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat die Händler nach den neuerlichen Kursverlusten mit drastischen Worten zur Ordnung gerufen. Er forderte die Akteure auf den Finanzmärkten im französischen Fernsehen auf, "wieder zur Besinnung zu kommen". Sie seien mit ihrem "exzessivem Pessimismus" schlecht beraten. Die Zentralbanken hätten mit ihrer spektakulären Zinssenkung am Mittwoch schließlich ein "Signal des Vertrauens" gegeben.

Deutschland: 2009 Stagnation der Wirtschaft
In Ihrem Herbstgutachten hatten die IWF-Experten am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für Deutschland abermals nach unten korrigiert. Sie sagen für dieses Jahr noch ein Plus von 1,8% voraus, im kommenden Jahr erwarten sie aber eine Stagnation der Konjunktur und 0% Wachstum. Deutschland wird laut IWF im Kreis der Euro-Zonen-Länder aber nicht das Schlusslicht bilden. In Italien und Spanien wird die Wirtschaft jeweils um 0,2% schrumpfen.

Einem Bericht der "Financial Times Deutschland (FTD)" zufolge, rechnet auch die Bundesregierung für das nächste Jahr kaum mit einem Wirtschaftswachstum. Derzeit werden die Prognose von 1,2% "in Richtung Null" gesenkt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Gründe für die Senkung seien die Finanzkrise und die nachlassende Nachfrage in wichtigen deutschen Absatzmärkten. Am 16. Oktober wird Wirtschaftsminister Glos die offizielle Prognose vorlegen.

geld-online vom 09.10.2008

Weitere Themen
17.10.2008
EU will Industrie stützen

16.10.2008
Rezessionsangst: Börsen brechen ein

14.10.2008
Hilfsmaßnahmen zeigen Wirkung

13.10.2008
Hilfspaket gegen Kollaps der Finanzmärkte

10.10.2008
Rezessionsängste drücken Börsen tief ins Minus

09.10.2008
Trotz Zinssenkung weiter nach unten

08.10.2008
Finanzmarktkrise: Börsen weiterhin auf Talfahrt

07.10.2008
Finanzkrise erreicht Wirtschaft

02.10.2008
Rettungspaket vom US-Senat genehmigt

01.10.2008
Hilfspaket: Bereits heute nächste Abstimmung

30.09.2008
US-Hilfspaket fällt durch